Handel mit Emissionen
Zurück Druckbare Version Diese Seite weiterleiten

Reisekoffer mit Zertifikat

Der Emissionshandel schafft eine marktwirtschaftliche Basis, um CO2-Emissionen dort zu reduzieren, wo es am kostengünstigsten ist.


Im Rahmen des Kyoto-Protokolls müssen sich die Industriestaaten zu Emissionsreduktionen verpflichten. Die Obergrenze wird festgesetzt und jedes Land, bzw. Firma erhält Emissionsrechte. Eine Einheit (z.B. Assigned Amount Unit AAU) berechtigt zur Emission einer Tonne CO2. Überschüssige Emissionsrechte können entweder an andere Unternehmen verkauft oder als Guthaben für die nächste Verpflichtungsperiode nach 2012 aufbewahrt werden. Unternehmen, welche mehr emittieren als ihnen Emissionsrechte zur Verfügung stehen, müssen die fehlenden Gutschriften hingegen erwerben.

Das Instrument des Emissionshandels gibt den Unternehmen mehr Flexibilität, um ihre Ziele zu erreichen, und soll die Kosten für alle Unternehmen, welche im System eingebunden sind, senken.

Wie funktioniert der Handel mit Emissionen?

Um einen Markt zu schaffen, müssen zunächst Emissionen zu Handelswaren gemacht werden. Dazu gibt man ihnen einen Preis und kontingentiert den Ausstoss von Emissionen durch Obergrenzen so dass die Ware knapp und daher attraktiv wird und Emissionen in die Kostenrechnung von Unternehmen einfliessen. Hierfür werden staatlich verbriefte Verschmutzungsrechte der Atmosphäre herausgegeben, die handelbar sind. Der Handelsplatz für die carbon credits der EU und zukünftig auch der Schweiz ist das «EU Emissions Trading Scheme» (ETS). Die Handelseinheit ist der «carbon credit», eine virtuelle Aktie, welche das Recht beinhaltet, eine Tonne CO2 auszustossen.

Neben staatlichen Handelssystemen gibt es auch private Initiativen (wie zum Beispiel die Schweizer Klimarappen-Stiftung LINK), Unter den 12'000 Händlern am ETS befinden sich vor allem die grossen Energiekonzern, Kraftwerke und Papier- und Zementfabriken.

Länder, die ihr Kontingent nicht ausschöpfen, wie zum Beispiel Russland, das seit der Auflösung der Sowjetunion einen Rückgang fossiler Brennstoffen verbucht, können überschüssige Emissionsrechte an den Meistbietenden verkaufen. Nördliche Staaten und Unternehmen, die mehr Emissionsrechte brauchen, können diese Zertifikate dazu kaufen. Eine viel diskutierte Frage ist, wie die Verschmutzungsrechte den am Handel beteiligten Firmen zugeteilt werden. Sind sie kostenlos und ausreichend vorhanden, besteht kein Anreiz sie zu kaufen und der Preis sinkt. Nichtregierungsorganisationen fordern eine Versteigerung der Zertifikate.
Beispiel für den Emissionshandel zwischen Unternehmen
Zwei Firmen mit 100 Tonnen CO2-Ausstoss



Eine Regierung limitiert die gesamten Emissionen. Konventionell wäre diese Richtlinie durch eine Obergrenze zu erreichen, die A+B nicht überschreiten dürfen.

Zum Beispiel stossen A + B jährlich je 100 Tonnen CO2 aus. Neu ist ihr gemeinsamer Ausstoss aber auf 100 Tonnen CO2 limitiert. A + B müssen also ihren Ausstoss um jeweils 50 Tonnen CO2 senken. Der Zertifikatehandel macht für sie die Erreichung der Grenzwerte für und damit theoretisch für die gesamte Gesellschaft.




Wenn es nun für Unternehmen A wesentlich teurer ist als für B, seine Emissionen zu reduzieren, können A+B mit dem Handel von Zertifikaten zusammenspannen:

A kann weiterhin 100 Tonnen ausstossen, wenn es dafür Unternehmen B bezahlt, auf 0 zu reduzieren. So klappt die Rechnung: A spart Geld, B verdient, und obendrein wird die Emissionsgrenze eingehalten.


Mehr zum Thema

Die EvB- Dokumentation zur globalen Klimapolitik