People's Tribunal zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken
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Vom 5.-8. Februar 2012 fand in Phnom Penh, Kambodscha, das zweite People's Tribunal zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken statt.
Eine internationale Jury untersuchte in vier konkreten Fällen Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in Textilfabriken. Fast 200 FabrikarbeiterInnen und Zeuginnen haben am Tribunal teilgenommen. Adidas, Puma, GAP und H&M, die alle aus den betroffenen Fabriken Kleider beziehen, wurden eingeladen, erschienen sind jedoch nur Puma und Adidas.
Nach dem ersten People`s Tribunal zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken in Colombo, Sri Lanka (27.-30.3.2011), fand vom 5.-8.2.2012 nun in Kambodscha das zweite internationale Tribunal unter der Leitung der Asia Floor Wages Campaign (AFW) und AFW-Kambodscha statt. Weitere Tribunale sollen in Indien und Indonesien folgen.
Als Folge davon ist die Ernährungssituation der meisten ArbeiterInnen sehr schlecht, das Geld reicht nicht, um sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Im vergangenen Jahr kam es zu Massenohnmachten in Kleiderfabriken, bei denen teilweise Hunderte von ArbeiterInnen kollabierten. Mangelhafte Ernährung, teilweise kombiniert mit schlechter Ventilation, Hitze und Einsatz von giftigen Chemikalien führten zu diesen folgeschweren Gesundheitsproblemen.
Rund 80%-90% des gesamten Exportes in Kambodscha entfällt auf die Textil- und Bekleidungsindustrie. Grosse internationale Markenfirmen haben als Käufer dieser Exportgüter daher eine wichtige Rolle, um aktiv auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken hinzuwirken.
Am People`s Tribunal werden vier Fälle untersucht:
1. Lebensbedingungen und Gender-Diskriminierung in Kleiderfabriken
2. Verlagerung von Fest- zu Temporäranstellungen
3. Massenohnmacht in Kleiderfabriken
4. Streik mit Folgen: Über 1000 Entlassungen von GewerkschafterInnen
Adidas, Puma, GAP, und H&M beziehen Waren aus den Fabriken, deren Fälle vors People's Tribunal kommen. Deswegen wurden diese vier Firmen eingeladen, es erschienen jedoch nur Adidas und Puma.
Am People`s Tribunal haben etwa 200 ArbeiterInnen aus Kleiderfabriken als TeilnehmerInnen (und teilweise als ZeugInnen) teilgenommen. Daneben wurden der Jury auch die Sichtweisen der Regierung, der Besitzer der Kleiderfabriken sowie von Arbeits- und Menschenrechtsgruppen vorgetragen.
Die Jury hat vorgängig während einer zweitägigen Anhörung Fakten gesammelt. Fast 200 ArbeiterInnen aus Kleiderfabriken nahmen an der Anhörung teil und unterstrichen mit ihren Aussagen, wie dringend nötig der Anstieg ihres Lohnes sei.
Näherinnen wurden in den Zeugenstand gerufen und sagten zu Themen wie Mangelernährung, Schuldenfalle, Temporäranstellung zur Umgehung von Sozialleistungen, Massenohnmachten und den Entlassungen von rund 1000 Gewerkschaftsführern nach einem sektorweiten Streik im September 2010 aus.
Adidas und Puma haben als Marken, die grosse Mengen von Waren aus Kambodscha beziehen, am People's Tribunal ausgesagt. Sie wiesen darauf hin, dass sie als Mitglieder des „Fair Wage Networks“ mit Hilfe von Recherchen und Umfragen nun untersuchen wollten, wie ein „fairer Lohn“ definiert werden könne.
Die OrganisatorInnen der Asia Floor Wage Allianz drückten jedoch ihre Besorgnis aus, dass es bisher an konkreten und verbindlichen Aktionen von Markenfirmen für die Erhöhung der Löhne in Fabriken fehle. "“Ein Existenzlohn ist die Grundlage für Menschenwürde”, sagt Prof. Gill H. Boehringer während der Pressekonferenz. Die Jury befand in ihrem Urteil, dass die ökonomische Macht bei den grossen Markenfirmen liegt. Es brauche daher einen Mechanismus, um die Markenfirmen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sie einen Existenzlohn garantieren und für faire Arbeitsbedingungen sorgen.
Eine internationale Jury untersuchte in vier konkreten Fällen Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in Textilfabriken. Fast 200 FabrikarbeiterInnen und Zeuginnen haben am Tribunal teilgenommen. Adidas, Puma, GAP und H&M, die alle aus den betroffenen Fabriken Kleider beziehen, wurden eingeladen, erschienen sind jedoch nur Puma und Adidas.
Was ist das People's Tribunal?
Das People`s Tribunal ist eine Anhörung, an der eine internationale Jury die Verletzung von Arbeits- und Menschenrechten unabhängig von der staatlichen Justiz untersucht und eine Einschätzung sowie Empfehlungen abgibt. Die People`s Tribunale zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken wurden von der AFW als Antwort auf die anhaltenden Arbeits- und Menschenrechtsverletzungen in der Bekleidungsindustrie initiiert und sollen helfen, die Arbeitsbedingungen mit speziellen Blick auf die Rechte der hauptsächlich weiblichen Angestellten zu verbessern, sowie die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben.Nach dem ersten People`s Tribunal zu Existenzlohn und Arbeitsbedingungen in Kleiderfabriken in Colombo, Sri Lanka (27.-30.3.2011), fand vom 5.-8.2.2012 nun in Kambodscha das zweite internationale Tribunal unter der Leitung der Asia Floor Wages Campaign (AFW) und AFW-Kambodscha statt. Weitere Tribunale sollen in Indien und Indonesien folgen.
Fabrikarbeiterinnen in Kambodscha: Hunger trotz Arbeit
In Kambodscha kam es 2011 zu einem Streik von ca. 200`000 Angestellten in Kleiderfabriken. Sie forderten, den gesetzlichen Mindestlohn auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Nach zähen Verhandlungen mit der Regierung wurde der Lohn von 56$ auf 61$ monatlich angehoben – doch das entspricht nur etwa der Hälfte der monatlichen Ausgaben einer Familie.Als Folge davon ist die Ernährungssituation der meisten ArbeiterInnen sehr schlecht, das Geld reicht nicht, um sich ausreichend und ausgewogen zu ernähren. Im vergangenen Jahr kam es zu Massenohnmachten in Kleiderfabriken, bei denen teilweise Hunderte von ArbeiterInnen kollabierten. Mangelhafte Ernährung, teilweise kombiniert mit schlechter Ventilation, Hitze und Einsatz von giftigen Chemikalien führten zu diesen folgeschweren Gesundheitsproblemen.
Rund 80%-90% des gesamten Exportes in Kambodscha entfällt auf die Textil- und Bekleidungsindustrie. Grosse internationale Markenfirmen haben als Käufer dieser Exportgüter daher eine wichtige Rolle, um aktiv auf die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Fabriken hinzuwirken.
Adidas, Gap, H&M und Puma: Vier Firmen, vier Fälle
Am People`s Tribunal werden vier Fälle untersucht:
1. Lebensbedingungen und Gender-Diskriminierung in Kleiderfabriken
2. Verlagerung von Fest- zu Temporäranstellungen
3. Massenohnmacht in Kleiderfabriken
4. Streik mit Folgen: Über 1000 Entlassungen von GewerkschafterInnen
Adidas, Puma, GAP, und H&M beziehen Waren aus den Fabriken, deren Fälle vors People's Tribunal kommen. Deswegen wurden diese vier Firmen eingeladen, es erschienen jedoch nur Adidas und Puma.
Am People`s Tribunal haben etwa 200 ArbeiterInnen aus Kleiderfabriken als TeilnehmerInnen (und teilweise als ZeugInnen) teilgenommen. Daneben wurden der Jury auch die Sichtweisen der Regierung, der Besitzer der Kleiderfabriken sowie von Arbeits- und Menschenrechtsgruppen vorgetragen.
Die Jury
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Die Ergebnisse des Tribunals: Existenzlöhne sind ein Menschenrecht
Die Jury des Tribunals befand, dass kambodschanische Näherinnen systematisch in die Armut gedrängt werden. Jurymitglieder aus drei verschiedenen Kontinenten forderten, dass die Akteure der internationalen Textilindustrie sofort Massnahmen ergreifen, um die Löhne in Kleiderfabriken auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Sie empfahlen weiter, dass Markenfirmen nicht nur gute Absichten äussern, sondern Menschenrechte in ihrem Preissystem priorisieren und die Preisstruktur entsprechend anpassen.Die Jury hat vorgängig während einer zweitägigen Anhörung Fakten gesammelt. Fast 200 ArbeiterInnen aus Kleiderfabriken nahmen an der Anhörung teil und unterstrichen mit ihren Aussagen, wie dringend nötig der Anstieg ihres Lohnes sei.
Näherinnen wurden in den Zeugenstand gerufen und sagten zu Themen wie Mangelernährung, Schuldenfalle, Temporäranstellung zur Umgehung von Sozialleistungen, Massenohnmachten und den Entlassungen von rund 1000 Gewerkschaftsführern nach einem sektorweiten Streik im September 2010 aus.
Adidas und Puma haben als Marken, die grosse Mengen von Waren aus Kambodscha beziehen, am People's Tribunal ausgesagt. Sie wiesen darauf hin, dass sie als Mitglieder des „Fair Wage Networks“ mit Hilfe von Recherchen und Umfragen nun untersuchen wollten, wie ein „fairer Lohn“ definiert werden könne.
Die OrganisatorInnen der Asia Floor Wage Allianz drückten jedoch ihre Besorgnis aus, dass es bisher an konkreten und verbindlichen Aktionen von Markenfirmen für die Erhöhung der Löhne in Fabriken fehle. "“Ein Existenzlohn ist die Grundlage für Menschenwürde”, sagt Prof. Gill H. Boehringer während der Pressekonferenz. Die Jury befand in ihrem Urteil, dass die ökonomische Macht bei den grossen Markenfirmen liegt. Es brauche daher einen Mechanismus, um die Markenfirmen zur Rechenschaft zu ziehen und sicherzustellen, dass sie einen Existenzlohn garantieren und für faire Arbeitsbedingungen sorgen.


